Podcast #67 I Georg Stawowy von Bürkert: Warum die deutsche Zentrale nicht mehr die Klügste sein muss

Veröffentlicht am July 22, 2026

Im Podcast spricht Georg Stawowy darüber, warum Wachstum in Indien und den USA Deutschland eine neue Rolle abverlangt, wie er Nachhaltigkeit zusätzlich zur ökonomischen statt ethischen Frage macht und warum Bürkert bewusst auf Geschäfte mit der Rüstungsindustrie verzichtet.

Zur Folge

Wer sich morgens Kontaktlinsen einsetzt, einen Kaffee im Büro trinkt oder Antibiotikum einnimmt, hat vermutlich schon mit einem Bürkert-Ventil zu tun gehabt, ohne es zu ahnen. Der Hidden Champion Bürkert Fluid Control Systems aus Ingelfingen stellt Ventile, Regler und Messgeräte für Flüssigkeiten und Gase her, beschäftigt rund 3.700 Menschen und setzte zuletzt rund 680 Millionen Euro um.

Davon fallen nur noch ca. 17 Prozent auf den Standort Deutschland. Die größten Märkte sind die USA und China, Indien soll folgen. „Es ist eine Transformation, weil ich akzeptieren muss, dass es Menschen in Indien gibt, die das genauso gut können, vielleicht sogar schneller“, sagt CEO Georg Stawowy. Die Kompetenz, die es im deutschen Headquarter künftig brauche, sei deshalb eine andere: ein dezentrales, weltoffenes Netzwerk zu koordinieren. „Es heißt dann nicht mehr ‚Ich denke für Indien vor‘, sondern ,Was müssen wir für Indien tun, damit die das selbst entwickeln können?’ “, ergänzt er. Investiert wird weiterhin auf beiden Seiten: 7 Millionen Euro flossen zuletzt in den Aufbau der Produktion in Indien, 70 Millionen Euro in drei deutsche Standorte.

Neu denken will Georg Stawowy aber nicht nur die internationale Aufstellung von Bürkert, sondern auch das Geschäftsmodell selbst: „Nachhaltigkeit ist heute eine ökonomische Realität“, sagt er mit Blick auf steigende Kupfer- und Gaspreise. “Ob ich das am Ende tue, um den Kindern einen besseren Planeten zu hinterlassen oder um Geld zu sparen, ist dann egal“, sagt er. „Wenn ich an die ethische Perspektive nicht glaube oder den Klimawandel negiere, muss ich das dann trotzdem aus dem ökonomischen Grund machen.“ Sein Portfolio will er deshalb stärker auf Produkte ausrichten, die zu einer „regenerativen Wirtschaft“ beitragen, bei der sich soziale, ökologische und ökonomische Systeme erholen können, statt sich zu erschöpfen.

Georg Stawowy erzählt außerdem, warum Bürkert das Geschäft mit der Rüstungsindustrie strategisch ausschließt, obwohl er selbst kein Pazifist sei und warum die Rolle als CEO dazu führen kann, dass man plötzlich allein in der Kantine sitzt – im Podcast „Alles neu…? Aus dem Maschinenraum“ mit Tobias Rappers und Katja Michel.

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