
Podcast #68 I Julia Bielenberg vom Medienhaus Oetinger: Wie gefährlich die Lesekrise bei Kindern für Deutschlands Zukunft ist
Im Podcast spricht Julia Bielenberg darüber, welche Auswirkungen die Lesekrise bei Kindern auf unsere Zukunft hat, wie es war, mit den Kindheitsidolen am Küchentisch zu sitzen und als Kind selbst zur Romanfigur zu werden, und wie sie sich eine weitreichende Bildungsreform vorstellt.
Zur Folge
Pippi Langstrumpf, die Kinder aus Bullerbü, das Sams, Timm Thaler: Ohne diese Figuren wäre die Geschichte des Oetinger Verlags undenkbar. Fünf deutsche Verlage hatten die Geschichte über das wilde Mädchen Pippi Langstrumpf abgelehnt, bevor Friedrich Oetinger Astrid Lindgren 1949 in Stockholm kennenlernte und das Buch noch im selben Jahr auf Deutsch herausbrachte. „Wir haben Pippi Langstrumpf wirklich alles zu verdanken", sagt seine Enkelin Julia Bielenberg, die den Verlag heute in dritter Generation führt.
Aus dem Hamburger Familienverlag ist längst ein Medienhaus mit über 100 Mitarbeitenden und rund 36 Millionen Euro Umsatz geworden, mit Hörbüchern, Apps, Theaterstücken oder eigenen immersiven Erlebniswelten. Getrieben ist diese Verwandlung auch vom veränderten Nutzungsverhalten der Kinder selbst. „Weniger Kinder greifen leider zum Buch, mehr wenden sich anderen Möglichkeiten zu", sagt Julia Bielenberg. Gegen das Smartphone habe das Buch einen strukturellen Nachteil: „Lesen ist anstrengend, da muss man etwas leisten. Das Smartphone ist einfach, da kann man sich passiv einfach berieseln lassen, von morgens bis abends."
Was für Julia Bielenberg als Verlegerin vor allem ein Geschäftsproblem ist, ist für sie gesellschaftlich jedoch ein klares Alarmsignal: „Das macht leider ganz viel mit dem kleinen Gehirn unserer Kinder, wo sich die Synapsen leider nicht mehr so verknüpfen, wie sie das früher getan haben." Fast die Hälfte der Berliner Drittklässler könne nicht mehr richtig lesen, deutschlandweit sei es fast jedes vierte Kind, das nach der vierten Klasse den gelesenen Inhalt nicht verstehe. „Wir haben kein Rohöl, wir haben keine seltenen Erden, wir haben nichts davon. Wir haben nur die Bildung unserer Kinder", sagt sie und fordert deshalb von der Politik eine weitreichende Bildungsreform.
Julia Bielenberg erzählt außerdem, wie es sich anfühlte, mit den Kindheitsidolen am Küchentisch zu sitzen und wie es war, als Kind selbst zur Romanfigur zu werden – im Podcast „Alles neu…? Aus dem Maschinenraum“ mit Tobias Rappers und Katja Michel.
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